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10.04.2017

Zwischen der Schule und der Uni liegen Welten – auch wenn es ums Feiern geht. Leo zog nach dem Abi in der Kleinstadt zum Studium in die Großstadt. Hier erzählt er euch, wie sich sein Konsum- und Feierverhalten verändert hat.

von Leonard Kehnscherper

Der letzte Schultag, die letzte Prüfung oder die abgegebene Abschlussarbeit: Die großen Meilensteine auf dem Bildungsweg gehören gefeiert. Aber auch zwischendurch lassen es viele Schüler und Studenten gerne mal krachen. Schließlich ist man ja jung, hat keinen Nine-to-Five-Job und meistens noch keine Kinder. Doch es gibt einige Unterschiede zwischen den Partys in der Schulzeit und den Partys während des Studiums. Mein persönlicher Überblick:  

Der Abiball – Ein letztes Besäufnis in der Kleinstadt

Der sonst so stille Jahrgangsbeste entert die Tanzfläche, die Kunstlehrerin ist ordentlich beschwipst und alle liegen sich in den Armen: Das war mein Abiball. Jahrelang hatte ich mich auf diesen Abend gefreut – und er war noch schöner als ich ihn mir vorgestellt hatte. Vom Gymnasium in der Kleinstadt ging es für mich danach an die Uni in der Großstadt. Dort hatte ich so einiges zu erkunden…

O-Woche und Erstifahrt – Langsam trinken!  

Mein erstes Semester begann mit der sogenannten O-Woche (=Orientierungswoche) und der Ersti-Fahrt. Bei diesen Gelegenheiten lernt man die Stadt und seine Kommilitonen kennen – und trinkt eine Menge Bier. Schon verrückt: Da saß ich im Hörsaal einer großen beeindruckenden Uni – einem Hort des Wissens und der Intellektuellen – und plötzlich drückte mir ein Kommilitone von der Fachschaft ein Bier in die Hand.

Ich bin wohl in der Erwachsenenwelt angekommen, dachte ich mir. Hier gehört Alkohol zum Alltag. Allerdings können die meisten Erwachsenen auch besser mit Alkohol umgehen als Pubertierende. In der Orientierungswoche habe ich gelernt, dass man ein Bier auch langsam trinken kann, anstatt es gleich in sich hineinzuschütten. Denn ich wollte meine Kommilitonen tatsächlich kennenlernen. Und nichts ist schlimmer als einen schlechten ersten Eindruck zu machen, indem man in der ersten Woche abstürzt – oder sich einfach nur daneben benimmt.  

Freundeskreise entstehen durch Magie

In der O-Woche habe ich die Leute kennengelernt, mit denen ich den Rest meines Studiums rumgehangen habe. Mein Freundeskreis hat sich praktisch „magisch“ zusammengefügt. So war es auch bei allen anderen Gruppen. Schnell freundeten sich die ruhigeren Leute miteinander an, die die in ihrer Freizeit viel Sport machen oder gern ins Theater gehen. Und natürlich schloss sich auch eine härtere Feier-Fraktion zusammen, die es vor allem in die Clubs der Stadt zog. Deshalb kann ich nur jedem raten: Verpass‘ die O-Woche auf keinen Fall! Sie kann deine nächsten Uni-Jahre entscheidend prägen.

Erstipartys – Fast so überbewertet wie Silvester

Nach der O-Woche ist vor den Erstipartys. Trotz der großen Auswahl habe ich davon nur zwei mitgenommen – und war nicht sonderlich begeistert. Zwar gibt es genug Anlass zum Feiern, aber die Musik war oft schlecht und viele Leute waren viel zu betrunken. Das Gemeinschaftsgefühl, das ich noch vom Abiball kannte, gab es auf meinen Erstipartys nicht. Noch nicht.

Montags in die Kneipe? Kein Problem

Irgendwann im November begann der „studentische Alltag“. Aber zwischen Montag und Donnerstag musste ich nur wenige Stunden in Seminaren und Vorlesungen verbringen. Freitags war natürlich frei. Während sich Schüler unter der Woche keine Partys erlauben können, ist das für viele Studis die Regel. „Vorlesung morgen um 10 Uhr? Egal! Der Prof lädt die Powerpoint-Folien ja eh hoch.“

Tatsächlich ist es in vielen Studiengängen kein Problem, mal eine Vorlesung zu verpassen. Hauptsache, man hat den Stoff bei der Prüfung drauf. Das habe ich immer geschafft – im Gegensatz zu einigen meiner Partyfreunde. Die haben bei den Klausuren regelmäßig ein weißes Blatt abgegeben. Kurzzeitig vom Ehrgeiz gepackt, hatten sie sich in der Nacht zuvor meistens noch eine stressige Last-minute-Lernsession angetan. Alles umsonst.

Hauspartys – Hier findet jeder, was er sucht

Deutlich besser als die Erstipartys gefielen mir die Hauspartys. In der Schulzeit endeten die schnell mal in einer Katastrophe – zum Beispiel, weil viel zu viele „Gäste“ kamen, die Lieblingsvase der Eltern zu Bruch ging oder jemand den Wohnzimmertisch vollkotzte. Nun aber feierten wir in den liebevoll dekorierten eigenen WG-Wänden.

An Hauspartys mag ich am meisten, dass jeder findet, was er sucht. So gab es einen extra Raum für alle, die zu Trash, Goa oder Electro Swing tanzen wollten. Es gab auch einen Raum für den Typen, der ein kleines Grüppchen mit drei Akkorden auf der Gitarre und schiefem Gesang beeindrucken wollte. Und die Küche war für alle da, die einfach nur quatschen, Trinkspiele spielen oder rauchen wollten. Apropos rauchen…

(Il-)Legale Drogen

Die meisten Studierenden sind volljährig und dürfen ganz legal trinken und rauchen. Doch meiner Erfahrung nach haben die meisten Raucher schon geraucht, bevor sie 18 wurden. Anders bei illegalen Drogen wie Gras oder Ecstasy und Kokain: Während des Studiums habe ich oft erlebt, wie viele meiner Kommilitonen diese Drogen zum ersten Mal ausprobiert haben – und zu richtigen „Kiffern“ oder „Druffis“ wurden.

Richtig hängengeblieben ist ein ehemaliger guter Freund, den ich seit dem ersten Semester kannte. Er hat sehr bald Gras für sich entdeckt, irgendwann nur noch gekifft und sich gegen Ende des Studiums mit allen Freunden zerstritten. Manchmal sehe ich ihn heute noch auf Partys. Da hat er dann die Augen halb geschlossen und labert nur noch unverständliches Zeug. Obwohl wir keinen Kontakt mehr haben, denke ich fast jeden Tag an ihn. Bevor er drogenabhängig wurde, war er ein guter Freund und ein echt schlauer Typ. Sein Abi hatte er noch mit einem Schnitt von 1,1 gemacht.

Wie man die Risiken beim Drogenkonsum reduzieren kann, seht ihr hier.

Die lieben Kommilitonen: „Party ist Pflicht!“

Als mir im Verlauf des ersten Semesters feiermäßig so langsam die Puste ausging, sagten manche Freunde zu mir: „Komm‘ schon! Als Ersti ist es deine verdammte Pflicht, Party zu machen!“ Meistens winkte ich dann trotzdem ab, aber manchmal motivierten mich meine Freunde damit auch. Denn genauso gefährlich wie zu viel Party und Alkohol ist meiner Meinung nach das soziale Loch. In das kann man ziemlich schnell fallen – in einer fremden Stadt, im tristen Winter. Und in einer Sache hatten meine Kommilitonen Recht: So viel Freizeit wie im ersten Semester hatte ich während des gesamten Studiums nie wieder…

ERASMUS – The best has yet to come!

… Außer natürlich in meinem ERASMUS-Semester! Egal ob Barcelona, Rom, Breslau, Dublin oder Prag – alle meine Freunde hatten eine unvergessliche Zeit im Ausland. Vor allem diejenigen, die während der Schulzeit oder nach dem Abi nicht im Ausland waren. So wie ich. Während meines Erasmus-Semesters in Paris habe ich genauso viele neue Leute kennengelernt wie im ersten Semester. Nur kamen die neuen Kommilitonen aus aller Welt. In dieser einzigartigen Zeit sollte man sich nicht zu viele Uni-Aufgaben aufhalsen und lieber sein Gastland erkunden.

Bei der ganzen Freizeit stehen natürlich auch viele ERASMUS-Partys auf dem Programm. Die gelten sogar europaweit als „legendär“. Aber anders als bei der O-Woche gilt hier gleich doppelte Vorsicht: Denn im Ausland vertritt man nicht nur sich selbst, sondern auch sein Herkunftsland. Ein Grund mehr, es auf den Parties nicht allzu krass zu übertreiben.

 


Foto (Blog): heissenstein / pixabay (CC0)

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