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06.03.2017

Egal, ob Medizin, Kommunikationswissenschaft oder Bauingenieurwesen: Eine Krise bleibt im Studium wohl niemandem erspart. Leo spricht mit Studierenden über ihre kritischen Phasen – und darüber, wie sie ihre Tiefs überwunden haben. Heute: Johannes, 24 Jahre, studiert Medizin in Greifswald.

Protokolliert von Leonard Kehnscherper

Johannes, 24 Jahre, studiert Medizin in Greifswald (Foto: privat)Warum hast du dich für dein Studienfach entschieden?

Den ersten Eindruck vom Krankenhausbetrieb habe ich beim Bundesfreiwilligendienst bekommen. Für den hatte ich mich entschieden, weil ich nach dem Abi noch nicht genau wusste, was ich studieren möchte. Am Arztberuf reizt mich, dass man damit einen sinnvollen gesellschaftlichen Beitrag leistet und das breite Spektrum an Tätigkeiten. So kann man als Neurochirurg im Nanometer-Bereich herumwerkeln oder als Orthopäde auch mal etwas rabiatere Techniken anwenden. Aber du kannst natürlich auch in die Gesundheitspolitik gehen oder in die Wirtschaft. Egal, wofür du dich entscheidest – als Mediziner hast du grundsätzlich gute Karrieremöglichkeiten und genießt ein hohes Ansehen.

Wann und weshalb hattest du deine erste Krise?

Das ging ziemlich schnell (lacht). Die erste kleinere Prüfung haben wir im November geschrieben, nach eineinhalb Monaten. Ich bin direkt durchgefallen. Den Wiederholungstermin habe ich dann bestanden, aber bei der Prüfung kurz darauf bin ich wieder durchgefallen, weil ich mich voll auf die Wiederholung konzentrieren musste. So begann ein Teufelskreis.

Welche Gedanken gingen dir in dieser Zeit durch den Kopf?

Ich hatte erstmal Minderwertigkeitskomplexe. Wenn du gleich beim ersten Test durchrauschst, fühlst dich dumm, schlecht, einfach nicht gut genug fürs Medizinstudium. Aber ich habe auch Wut und Neid empfunden. Paradoxerweise habe ich mich auch für intelligenter als meine Kommilitonen gehalten und mir gesagt: „Die können halt nur gut auswendig lernen.“ Diese Missgunst ist echtes Gift für die eigene Psyche. Der Stress hatte auch körperliche Effekte: Ich hab sehr schlecht geschlafen und versucht, nächtelang durchzulernen, während meine Aufnahmefähigkeit immer niedriger wurde. Auch soziale Kontakte habe ich vernachlässigt. Dabei können gerade Freunde bei so einer Krise helfen.

Hast du auch mal daran gedacht, dein Studium abzubrechen?

Nein, das nicht. Die Abbruchquote ist unter Medizin-Studis allgemein sehr gering. Mit einem der begehrten Studienplatz ist man schlichtweg zu privilegiert, also beißen sich die allermeisten durch. Mir ist aber relativ schnell klargeworden, dass ich nicht in der Regelstudienzeit bleiben kann und habe das akzeptiert.

Wie hast du deine Krise überwunden?

Ich überwinde jede Krise zwangsläufig mit dem Absolvieren der Prüfung. Aber die nächste Prüfung kommt und mit ihr die nächste Krise. Um es mit Mediziner-Worten zu sagen: Es gibt kein Allheilmittel gegen eine Krise im Studium. Mir hilft aber die Einstellung: Ich gebe immer mein Bestes, dann kann ich mir nichts vorwerfen. Außerdem habe ich akzeptiert, dass manche Kommilitonen einfach bessere Noten schreiben. Geholfen hat mir auch, mich besser zu organisieren: Zum Beispiel stelle ich mir detaillierte Lernpläne zusammen, lerne nachts nicht mehr durch und mache auch regelmäßig Sport. Gerade das Laufen hilft mir dabei, mich körperlich auszulasten, mich auf meine Ziele zu fokussieren und den inneren Schweinehund zu überwinden. 

Was empfiehlst du anderen Studis, die gerade eine Krise durchmachen und deshalb öfter zu Tabak, Alkohol oder auch illegalen Drogen greifen?

Illegale Drogen nehme ich nicht. Allerdings habe ich schon vor dem Studium mit dem Rauchen angefangen. Zur Prüfungszeit ist mein Zigarettenkonsum dann auf astronomische Höhen angeschwollen. Nach einem langen Tag, habe ich mir dann auch mal ein Glas Whisky gegönnt. Aber es ist natürlich total unsinnig, vor der Prüfung zu feiern und zu trinken, um damit den Stress zu verdrängen. Denn die Prüfung steht ja noch bevor. Wer vor der Prüfung trinkt, resigniert in meinen Augen bereits. Nach der Prüfung ist das was anderes. Da sollte man unter Leute kommen – egal, wie die Prüfung gelaufen ist.

 

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Foto (Blog): BarnImages / pixabay (CC0)

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