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20.07.2017

Du hast Stress? Beschleunigst ständig? Und hast trotzdem das Gefühl was zu verpassen? Damit bist du nicht allein. Ein Kommentar über den Ausgleich zwischen Studium, Arbeit ... und im Idealfall Privatleben, in einer gehetzten Generation. Du willst an deine Grenzen gehen? Darfst du - jeden Tag – aber übernimm dich dabei nicht.

ein Kommentar von Noah Schöppl

Die Idee zu diesem Kommentar hatte ich schon vor einem Jahr, hab es aber immer vor mir hergeschoben ihn zu schreiben – zu viel zu tun. Das passt auf ironische Weise zum Thema dieses Textes: Zeitmanagement und Ausgleich zwischen Studium, Arbeit, Engagement, Freizeit und Privatleben. Damit nehme ich schon viel vorneweg: Ich bin selber nicht das beste Vorbild, wenn es um Zeitmanagement geht. Ich gehöre zu den Leuten, die gerne viel tun, an ihre Grenzen gehen und dabei nicht immer zu allem kommen was sie sich vornehmen. Neben meinem Studium, bin ich im Vorstand eines sozialen Startups, arbeite für eine Jugendorganisation für politische Bildung (und anderen Nichtregierungsorganisationen), arbeite als Journalist und – ja – habe auch ein Privatleben mit Familie, Freunden und Partner. Das läuft nicht immer rund, aber trotzdem glaube ich inzwischen einiges über Zeitmanagement gelernt zu haben.

Generationenproblem #FOMO

Zunächst hab ich mich gefragt: Warum mache ich so gern so viel? Einen großen Teil der Antwort hab ich in dem komischen Modewort „FOMO“ gefunden. FOMO steht für „Fear Of Missing Out“ (Deutsch: Die Angst etwas zu verpassen) – und die habe ich ziemlich stark. Ich will mein Leben nicht verpassen, sondern so viel wie möglich lernen, erleben und bewirken. Wenn du dich darin wiedererkennst, kann dir dieser Text hoffentlich ein bisschen helfen.

Ich hab nämlich den Verdacht, dass ich mit diesem Problem nicht allein bin. Im Gegenteil, ich Teile es mit vielen jungen Menschen, die aus Angst ihr Leben zu verpassen kollektiv gestresst sind. Und oft trägt diese „Generation Stress“, traurige Blüten: Die hart arbeitende Kommilitonin die wiederholt durch Klausuren fällt, weil sie so viel Zeit für den Nebenjob verwendet und das Gefühl hat an allem zu scheitern. Der ambitionierte Freund, dem die langjährige Beziehung zerbricht und der langsam aber sicher auf das Burnout zusteuert. Die Bekannte, die das Studium abbricht, weil sie eine chronische Krankheit hat und dem Erwartungsdruck ihrer Familie nicht mehr standhalten kann. Es gibt viele Auswege bevor man in so eine Situation kommt – man muss sie nur rechtzeitig erkennen und nutzen.

1. Lernen „Nein“ zu sagen

„Alles haben wollen” und “sich nicht entscheiden wollen“ geht langfristig fast nie gut. Doch Prioritäten zu setzen ist schwer in einer schnelllebigen und reizüberfluteten Zeit. Um FOMO zu widerstehen, und zu verhindern, dass der Kalender zu voll wird, muss man die Kunst des Nein-Sagens lernen. Wenn dir jemand eine tolle Chance bietet, zum Beispiel eine Einladung auf eine Fortbildungsreise, oder eine zusätzliche Verantwortung in einem Unternehmen oder Verein zu übernehmen, ist es für alle Beteiligten das Beste, wenn du vollkommen ehrlich zu dir bist. Nur wenn du dir so viel vornimmst wie du realistisch (das heißt mit Puffer) schaffen kannst, kannst du deine eigenen Pläne erfüllen und anderen gegenüber zuverlässig bleiben. Das bedarf Disziplin. Wichtig ist sich immer zu fragen wie einzigartig und wichtig einem jede dieser Möglichkeiten ist, wie viel man tatsächlich genießen kann und ab wann es mehr Stress als Freude ist. Das ist oft ein schwieriger Balanceakt. Der Stress nimmt uns Freiheit, denn wenn wir getrieben sind, können wir nicht mehr gestalten.

Viele Klassiker der Lebensgestaltung sind nicht ohne Grund Klassiker: regelmäßig Sport treiben oder gut kochen, machen langfristig zufriedener als jede Woche etwas scheinbar spannendes Neues zu erleben – außerdem geben sie dir ein viel besseres Körpergefühl. Viele Dinge erleben zu wollen ist nicht schlimm – nichts tun wär langweilig. Aber gib deinen Erfahrungen auch die Chance und Zeit auf dich zu wirken. Je öfter man es schafft „Nein“ zu sagen und den Alltagskalender auf ein geregeltes, positives und angenehmes Stresslevel zu bringen, desto häufiger kann man im heutigen Überfluss der Möglichkeiten den Moment intensiv genießen. Darum geht es: Den Augenblick zu genießen, anstatt potentielle scheinbar großartige Möglichkeiten hinterher zu weinen. „Immer mehr“ ist gerade wenn es um Erfahrungen geht nicht immer besser. Wenn du weniger Dinge tust, kannst du diese auch besser machen. Es klingt trivial, aber: Tu nur das was du wirklich willst. Verknappung von Besonderem erhöht den Wert, während eine Inflation vieler toller Erlebnisse, nur graue Erinnerungen und Müdigkeit hinterlassen.

2. Schlaf wirkt Wunder

Früher dachte ich Schlaf sei was für Schwächlinge und unnötig. Ich war öfter schlecht gelaunt, unkonzentriert und unzufrieden. Inzwischen habe ich mir angewöhnt, jeden Tag sieben bis acht Stunden Schlaf zu bekommen und - leider noch zu selten – auch einen Mittagsschlaf zu machen. Das ist keine Zeitverschwendung, sondern gibt mir Energie für einen produktiven Tag, macht mich positiver und zufriedener. Außerdem hilft es mir über große Entscheidungen zu schlafen, aber nur wenn der Schlaf auch lang genug ist um wirklich erholsam zu sein.

Mach keine Kompromisse beim Schlaf. Eine ganze Nacht durchzuarbeiten um eine Arbeit fertig zu machen, ist weniger ein Zeichen harter Leistungsbereitschaft, als viel mehr ineffektiver Arbeitseinteilung. Wenn es einfach nicht gelingt den Schlafrhythmus zu verändern, kann das auch ein Zeichen sein, dass man nicht oft genug „Nein“ sagt und langfristig überlastet ist. Nicht zu Letzt: Schlafen ist einfach nur schön – genieß es doch einfach.

3. Nimm dir Zeit für die Menschen, die dir wichtig sind

Gelingende zwischenmenschliche Beziehungen zu haben ist keine Selbstverständlichkeit. Wenn persönliche Beziehungen leiden kann das viele Gründe haben, aber gerade gestresste Menschen nehmen sich oft für alles Zeit, nur nicht für ihre sozialen Beziehungen. Sollte es einmal richtig schlecht gehen, spätestens dann braucht man diese Menschen. Stress ist nicht immer schlecht, wenn er in Maßen kommt, aber wenn er auf Kosten anderer Menschen geht, greift er das Fundament an, auf dem wir stehen. Es ist sehr traurig, wenn du erst merkst, was der andere dir Wert ist, wenn es zu spät ist. Nimm dir Zeit für die Menschen, die dir wichtig sind. Unsere Identität wird weniger durch unsere Aktivitäten definiert, als vielmehr durch unsere sozialen Verbindungen zu Anderen.

4. Entschleunigen und sich dabei gut fühlen

Ein Schlüssel für eine gute Balance zwischen Studium, Arbeit und Privatleben liegt in der Gestaltung von alltäglichen Routinen, die an die eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten angepasst sind. Sich Raum zur Reflektion zu geben, führt aus dem Hamsterrad.

Natürlich kann immer etwas Großes dazwischenkommen, das eine Neuausrichtung nötig macht, zum Beispiel eine schwere Krankheit, familiäre Veränderungen oder ein attraktives Angebot für eine Verantwortung in einem Verein oder ein Job in einem Unternehmen. Bei so etwas kann man sich auch ein Urlaubssemester oder zwei nehmen. Aber gerade um solche Entscheidungen frühzeitig und mit Gestaltungspielraum zu treffen, ist es wichtig im Alltag nicht getrieben zu sein.

5. Getriebene sind nicht glücklich

Entschleunigung ist kein konservatives Schadensbegrenzung-System, für diejenigen die sich nicht auf die Überholspur des Lebens trauen. Im Gegenteil, ich glaube langfristig erfolgreich und glücklich im Leben zu sein, seine Ziele zu erreichen und im Umgang mit anderen achtsam zu sein, sind nur durch Bewusstsein im Alltag möglich. Sage ich immer „Nein“ wenn ich sollte, schlafe immer genug und genieße den Moment? Ganz sicher nicht. Aber ich versuche es und ich merke, dass es mir und meinem Umfeld guttut, wenn ich es schaffe. Überleg dir mit welchen Methoden und Anreizen du es schaffst dich zu disziplinieren und deinen Alltag zu gestalten – und zwar direkt, wenn du fertig bis, diesen Text zu lesen – aufschieben zählt nicht. Die schlechte Nachricht ist: Wir alle haben mehr oder weniger FOMO. Die gute: Wir alle können es loswerden, wenn wir uns damit auseinandersetzen.

 


Foto (Blog): slon_dot_pics / Pixabay (CC0)

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