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13.03.2017

Ihr müsst bis morgen 95 Dinge organisieren, drei Hausarbeiten schreiben und für zwei Klausuren lernen? Stress! Was macht das aus euch? Werdet ihr zu dauerfutternden Lernmonstern oder zu cholerischen Stiftewerfern? Bloggerin Julia hat sich an ihrer Uni umgeschaut und eine Liste aus den auffälligsten Stresstypen zusammengestellt.

von Julia Weise

Jeder Mensch ist anders gestresst. Weil wir alle höchst spannende Mischungen aus Genen und erlerntem Verhalten sind, definiert jeder anders, wann Stress anfängt und was die beste Reaktion darauf ist. Für mich bedeutet Stress, wenn ich mehrere große Projekte, wie etwa zwei Essays, gleichzeitig habe. Ich schiebe dann zuerst große Mengen Zucker ich mich rein und werde kurz vor Abgabe zu einem isolierten Insel-Menschen. Da ich gerade halbtags in der Bibliothek und sonst in einer fünfer WG wohne, finde ich es unheimlich praktisch die Stressreaktionen meiner Mitmenschen abschätzen zu können. In den Pausen meines akademischen Schaffens habe ich mich deswegen umgeschaut und umgehört und hier eine kurze Liste der auffälligsten Stresstypen zusammengestellt. Sie hat keinen wissenschaftlichen Anspruch und wurde nicht in zwölf Langzeitstudien getestet. Trotzdem: Wer weiß, wie man selbst und die Mitmenschen unter Stress reagieren, hat zwar immer noch eine Menge Klausuren, aber nicht auch noch einen kaputten Freundeskreis.

Typ 1: „Zeitdruck? Ich hab doch noch drei Wochen bis Abgabe!“

Diese Menschen kennen Stress eher aus den Erzählungen anderer Menschen als aus ihrem Alltag. Dabei gibt es unter ihnen zwei Gruppen: die super Organisierten und die Prokrastinierenden. Erstere sind wirklich selten im Stress. Sie haben all die Tipps verinnerlicht und schreiben jeden Tag To-Do-Listen mit super realistischen Zielen, die sie brav abarbeiten. Oder sie haben schon so lange an ihrer eigenen Produktivität gefeilt, dass sie jetzt anderen Menschen ihr Wissen auf die Nase binden. Solch durchorganisierte Menschen sind sehr selten, aber schwer beeindruckend.

Die zweite Gruppe denkt nur, sie hat keinen Stress und lenkt sich ab. Diese äußerliche Entspanntheit kann für Außenstehende arrogant wirken, ist jedoch völlig ernst gemeint: Wenn die Klausur erst in drei Wochen ist, warum jetzt schon anfangen zu lernen? Im Grunde ist diese Strategie gar nicht so verkehrt. Bevor ich mich drei Wochen stresse, kann ich erstmal ein paar Tage Pause machen und mich dann wieder entspannt dem Unikram widmen. Problematisch wird es nur, wenn das Pause machen die Lernphase bedroht. Das leidige Prokrastinieren führt dann schon mal zu nächtlichen Kaffee-Eskapaden und Hausarbeiten mit verschwindend kurzen Literaturverzeichnissen. Vertreter dieses Typus sind recht häufig anzutreffen. Sie verdienen ein bisschen Mitleid, einen kurzen Schubs Richtung Schreibtisch und folgende Tipps: Listen machen, Zeitplan erstellen und sich von anderen Menschen an die Einhaltung der ersten beiden Tipps erinnern lassen.

Typ 2: „Ich kann ohne Kekse nicht denken!“

Essen – Grundbedürfnis unseres Seins und deswegen eine hervorragende Art sich vom Lernen abzuhalten. Körper und Geist brauchen Nahrung und dieser Stresstyp schiebt deshalb viertelstündlich Nachschub in das Verdauungs-Denk-Kontinuum. Vorzugsweise steht eine Packung Kekse direkt neben dem Schreibtisch. Man will ja nicht unnötig Zeit verschwenden beim Essen suchen. Unerfahrene Stressesser hüpfen zwei Mal die Stunde zum Kühlschrank, um dessen Inhalt zu kontrollieren. Die Profis sind schon weiter und haben die Vorräte in unmittelbarer Nähe zum Schreibtisch positioniert. Im Grunde ist das keine schlechte Strategie: Das Gehirn ist ein Organ wie alle anderen und die können ohne Nährstoffe nicht arbeiten. Leider sind Schokokekse nicht der beste Treibstoff für das Gehirn und auch sonst dem Körper wenig zuträglich. Außerdem geht es den Stressessern nicht mehr um das reine Hungergefühl, Essen lenkt prima ab. So macht man automatisch öfter kleine Pausen. Das ist gut so, jedoch sollte man im Auge behalten in welchem Verhältnis Pause und Arbeit stehen. Zur Abwechslung könnte man auch mal einen Apfel oder Nüsse futtern.

Das ganze Gegenteil der Stressesser sind die Menschen, die fast gar nichts mehr essen. Asketisch sitzen sie an ihrem Schreibtisch und studieren so lange bis sie zur Klausur müssen oder die Abgabefrist erreicht ist. Währenddessen blendet ihr Gehirn scheinbar alle irrelevanten Signale aus. Es ist erstaunlich, wie diese Menschen nach mehreren Tagen minimalster Nahrungszufuhr überhaupt noch denken können. Auch ihnen sei geraten: Macht mal eine echte Pause! Und dann esst was.

Typ 3: „Vorrübergehend verabscheue ich Menschen.“

Dieser Typus ist den Fastenden sehr ähnlich. Auch diese Menschen blenden unnötige Dinge aus. In ihrem Fall ist das statt Essen eben sozialer Kontakt. In der Bibliothek sieht man sie von einem Stapel Bücher umgeben, ihre Ohren sind ständig verstöpselt, der Blick ist gesenkt. Heben sie doch einmal den Kopf, sagen ihren Augen: Lass mich bloß in Ruhe! Gleiches gilt für zu Hause Arbeitende. Sie sind nur noch selten in der Küche anzutreffen und dann nicht besonders gesprächig. Diesen Menschen sollte man sehr vorsichtig begegnen. Zuweilen verstecken sich unter ihnen Choleriker. Werden sie zur falschen Zeit angesprochen, entlädt sich ihre stressbedingte Frustration in einem lauten und langanhaltenden Wortwirrwarr. Man möchte hier lieber nicht genau zuhören, sonst ist man am Ende wahrscheinlich beleidigt. Dem Umfeld ist hier zu raten: Findet heraus, auf welche Art und wie schnell eure antisozialen Mitmenschen eskalieren. Manchen Menschen muss man tatsächlich einfach aus dem Weg gehen, andere sind dankbar, wenn man sie für zehn Minuten in den Park schleift. Den Cholerikern ist zu raten: Luft holen. Und dann nochmal und dann nochmal. Für die nächste Stressphase dann einen besseren Zeitplan machen, sodass niemand eskalieren muss.

Typ 4: „Mit Ritalin schreibe ich eine Hausarbeit in einer Nacht.“

Diesen Menschen begegnet man nur selten in den Morgenstunden. Zu dieser Zeit holen sie den Schlaf der vergangenen Nacht nach. Als schlechte Planer oder geübte Prokrastinierer haben sie derartigen Zeitdruck, dass nur noch die Nacht zum Hausarbeit schreiben bleibt. Gängiges Argument: Dann ist es ruhig und nichts kann ablenken. Nur, wie hält man die Augen offen und produziert schlaue Argumente? Die Lösung scheint Ritalin oder Speed zu sein. Ritalin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das ADHS-Patienten nehmen, um ihre Konzentration zu steigern. Dieselbe Wirkung wollen auch gestresste Studierende mit normalen Gehirnen erzielen. Weil es Ritalin eigentlich nur in der Apotheke gibt, helfen sich einige dieses Stresstyps mit Speed aus. Speed gehört zu den Amphetaminen, aus denen auch Ritalin hergestellt wird, und wirkt ebenfalls konzentrationssteigernd. Allerdings führt Speed auch zu Selbstüberschätzung. Am Ende haben sich diese Stresstypen also um eine Nacht Schlaf gebracht und nebenbei 15 Seiten Kauderwelsch produziert. Das klingt nach der nächsten unnötigen Nachtschicht. Wer zu oft etwas einwirft, um sich konzentrieren zu können, kann psychisch abhängig werden. Ohne eine Pille geht dann nichts mehr. Das kommt euch bekannt vor? Dann schaut euch doch mal hier um.


Foto (Blog): Counselling / pixabay (CC0)

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