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21.11.2017

Bei einer Teamarbeit verfallen viele Studis automatisch in verschiedene Rollen. Welche das sind und welche Rolle dem Team wirklich helfen würde, erklärt eine Psychologin und Studienberaterin.

von Leonard Kehnscherper

Die Psychologin Brigitte Reysen-Kostudis[1] berät Studierende, wenn sie mit einer Teamarbeit[2] Probleme haben. Dabei ist ihr aufgefallen, dass Studis in bestimmte Rollen verfallen, sobald sie in einer Gruppe zusammenarbeiten (sollen). Sieben klassische Rollen hat sie mir beschrieben – und ich habe alle wieder erkannt.

 

  1. „Der Trump“

Dieser Typ ist – wie der US-Präsident – ein absoluter Selbstdarsteller. Er glaubt, dass er schon alles über das Thema weiß. Egal, was die anderen Gruppenmitglieder vorschlagen – er oder sie will am Ende entscheiden, wer welche Aufgaben übernimmt und wie die Präsentation oder Hausarbeit aussehen soll. „Die anderen Gruppenmitglieder attackieren den Trump-Typ zunächst auch gar nicht. Denn er scheint ja einen Plan zu haben“, sagt Reysen-Kostudis. Das Verrückte: Der Selbstdarsteller hat von allen Teamarbeits-Typen am meisten Interesse am Erfolg der Gruppenarbeit – das zahlt sich aus. Allerdings muss auch der Selbstdarsteller lernen, Aufgaben abzugeben. Denn sonst rattern die anderen Gruppenmitglieder ihre Sätze bei einem Referat gelangweilt herunter oder schludern bei ihrem Teil des Forschungsberichts. Der Selbstdarsteller glänzt zwar, aber die Unausgewogenheit fällt den Lehrkräften an der Uni auf.  

  • Kommentar: Solche Teammitglieder würde ich direkt bremsen. Ich würde ihnen klarmachen, dass alle in der Gruppe kompetent sind und dass wir die Aufgaben gleichmäßig verteilen müssen. 

 

  1. „Die Schlafmütze“

Während der Trump-Typ die Gruppenleitung in die Hand nimmt, lehnt sich die Schlafmütze entspannt zurück. Sie denkt sich: „Warum soll ich mich denn jetzt noch voll einbringen?“ Oft ist dem Schlafmützen-Typ das Studium auch nicht so wichtig wie den anderen – oder das Thema der Gruppenarbeit liegt ihm oder ihr gar nicht.

  • Kommentar: Schlafmützen waren wirklich in jeder Gruppenarbeit meines Studiums dabei. Aber eigentlich lassen die sich ganz leicht aufwecken – mit Komplimenten. Denn jeder kann irgendetwas richtig gut – egal, ob Recherchieren, Ideen entwickeln oder Layouten. Ich bin mir sicher: Wenn man ihre individuellen Stärken erkennt und die Schlafmütze darauf anspricht, ist er oder sie auf einmal aktiviert und voll dabei.

 

  1. „Der Übereifrige“

Anders als der Trump-Typ glaubt der Übereifrige nicht, dass er oder sie alles weiß. Der Übereifrige neigt auch nicht zum Herumkommandieren. Aber er oder sie muss zu jedem Vorschlag noch seinen oder ihren Senf dazugeben. „Der Übereifrige kann nichts so stehen lassen, wie es ein Gruppenmitglied gesagt hat“, erklärt Reysen-Kostudis.

  • Kommentar: Klar – „Streber“ mag niemand. Aber die hohe Motivation kann ein Projekt auch nach vorne pushen. In meiner Studienzeit habe ich gemerkt: Bekommt der Übereifrige eine anspruchsvolle Aufgabe, ist das Ergebnis eine große Bereicherung für die Gruppenarbeit.

 

  1. „Der Zweifler“

„Meint ihr wirklich?“ ist die Lieblingsfrage des Zweiflers. Er vertraut seinen Kommilitonen nicht genug und kann sich nie voll und ganz auf ein gemeinsames Vorgehen einlassen. „Das bringt eine negative Stimmung ins Team“, sagt Reysen-Kostudis.

  • Kommentar: Ein unproblematischer Typ, finde ich. Auf die Frage: „Meint ihr wirklich?“ muss die Gruppe nämlich nur antworten: „Ja, meinen wir!“

 

 

  1. Der Desinteressierte

Der Desinteressierte verhält sich wie eine Schlafmütze – nur will er oder sie, dass das Team sein oder ihr Desinteresse spürt. „Der Desinteressierte kommt zum Beispiel regelmäßig zu spät. Er will sich am Team reiben“, erklärt Reysen-Kostudis.

  • Kommentar: Einem solchen Teammitglied mussten wir als Arbeitsgruppe tatsächlich schon mal sagen: „Wenn du unsere Arbeit nicht ernst nimmst, musst du die Gruppe verlassen.“ Das hat die Person dann auch getan. 

 

  1. Der versteckte Individualist 

Eigentlich ist der Individualist ganz Feuer und Flamme für das Gruppenprojekt. Eigentlich. Doch dann sagt er oder sie kurzfristig Treffen ab und lässt die Gruppe wissen: „Unter der Woche kann ich grundsätzlich nicht.“ Damit stellt der Individualist seine eigenen Interessen stets über die der Gruppe.

  • Kommentar: Auch hier kann man die Person nur freundlich daran erinnern, dass sie niemand zur Gruppenarbeit zwingt – geschweige denn zum Studium.

 

 

  1. Das perfekte Gruppenmitglied

Das perfekte Gruppenmitglied hat großes Interesse am Thema und generell auch am Studium. Das Mitglied ist offen für andere Meinungen und bereit, sich an Verabredungen zu halten. „Unter diesen Voraussetzungen kann im Prinzip gar nichts schief gehen“, sagt die Expertin.

  • Kommentar: Die Beschreibung des perfekten Gruppenmitglieds klingt erstmal utopisch. Aber meiner Meinung nach können auch die anderen sechs Teamarbeits-Typen zu perfekten Gruppenmitgliedern werden – wenn sie an ihrer Einstellung arbeiten.

 

 


Foto (Blog): Free-Photos / pixabay (CC0)

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