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18.09.2017

In Zeiten von Flüchtlingskrisen, Rechtspopulismus und Klimawandel sehnt sich eine junge Generation nach frischen Lösungsansätzen. Das zeigt sich in großer Motivation, Dinge zu verändern und Unterstützung für diejenigen, die soziale Innovationen vorantreiben. Wir haben genug vom „besser wissen“ und wollen es zusammen „besser machen“.

von Noah Schöppl*

In einer Welt, in der immer alle gestresst sind, haben viele das Gefühl, wenig in ihrem eigenen Leben oder gar der Gesellschaft gestalten zu können – das muss nicht so sein. Denn es gibt eine große Gruppe von Millennials (Generation, die nach 1980 geboren wurde), die soziale oder ökologische Problem erkennen, die sie dann nicht mehr loslassen. Im formalen Bildungssystem der Schule und Uni lernt man Aufsätze und wissenschaftliche Hausarbeiten zu schreiben, abstrakte Berechnungen durchzuführen und Theorien auswendig zu lernen. Was man so gut wie gar nicht lernt, ist Probleme in der realen Welt zu lösen und eigene Ideen in die Tat umzusetzen. Diese Erfahrung muss man durch Eigeninitiative außerhalb der Universität selbst gestalten.

Dass das nicht immer einfach ist, weiß ich aus eigener Erfahrung. Denn neben meinem Studium bin ich in dem sozialen Startup ProjectTogether engagiert, das junge Gründer sozialer Initiativen und Unternehmen unterstützt und zusammenbringt. Etwas Eigenes aufzubauen ist nie leicht, aber aus meiner Erfahrung der Zusammenarbeit mit vielen Gründern sozialer Projekte gibt es drei Schritte die unerlässlich sind, für den erfolgreichen Start von etwas Neuem.

1. Trau dich! Der erste Schritt ist der wichtigste.

Jeder Marathon beginnt mit einem ersten Schritt. Leider ist das der Schritt, den viele gar nicht erst gehen – zu viele gute Ideen bekommen nicht mal die Chance Wirklichkeit zu werden. Tu das deiner Idee nicht an. Sie hat es verdient ausprobiert zu werden. Das Problem der heutigen Zeit ist nicht, dass wir es nicht besser wüssten, sondern, dass wir es nicht besser machen. Das Wissen um Probleme und Lösungsansätze ist da, nur leider wird es viel zu selten umgesetzt.

2. Mach’s richtig! Zeige Willenskraft.

Um im Ziel anzukommen braucht man Ausdauer. Zur nötigen Einstellung eines erfolgreichen Gründers gehört, unerlässlich auf der Suche nach Verbesserungen und offen für Neues zu sein, sowie im engen Kontakt zur Zielgruppe deiner Intervention zu stehen. Eine Innovation hilft nur dann, wenn sie wirklich die Bedürfnisse der Zielgruppe erfüllt. Wenn man beispielsweise Geflüchteten helfen möchte, muss man viel mit Geflüchteten reden, wenn man wirklich positive Wirkung entfalten möchte. Zudem gilt es flexibel zu sein, also bereit zu sein die eigene Idee zu verändern, wenn die Umstände es fordern - und sich von Fehlschlägen nicht unterkriegen zu lassen: Denk in einer großen Vision, fang mit kleinen Experimenten an und versuch schnell Fortschritte zu entwickeln.

3. Finde starke Partner! Hol dir Unterstützung.

Wenn du dich entschlossen hast ernsthaft an einer sozialen Innovation zu arbeiten, ist die gute Nachricht: Du musst nicht alles allein machen.Es gibt von Anfang an viel Hilfe – zum Beispiel von ProjectTogether. ProjectTogether glaubt daran, dass du die Welt verändern kannst, auch wenn du noch nicht weißt wie. Dafür stellt ProjectTogether jungen Gründer einer sozialen Initiative oder Unternehmung kostenloses Telefoncoaching, Expertise und eine Community von Gleichgesinnten zur Verfügung.

Unterwäsche hilft

Über 200 junge Gründer*innen und ihre Ideen haben bereits von diesem Angebot profitiert – einer davon ist Thom. Als Thom 16 Jahre alt war, reiste er das erste Mal nach Tansania und merkte, dass es dort viele junge Menschen gibt, die keine Unterwäsche trugen. Er lernte, dass dies zum Teil religiös-kulturelle, zum Teil aber auch wirtschaftliche Gründe hatte – viele konnten sich einfach keine Unterwäsche leisten. Zurück in seiner niederländischen Heimat Eindhoven, begann er mehr zu dem Thema zu recherchieren und fand heraus, dass sich weltweit viele Millionen Menschen eine adäquate Intimbekleidung nicht leisten können – mit teils fatalen Folgen: Unterwäsche schützt vor Verunreinigung, Reizungen und Infektionen. Das Thema ließ Thom nicht los und so beschloss er, etwas dagegen zu unternehmen. Aber wie kann man so ein großes Problem überhaupt als junger Mensch angehen? Und wo beginnen? Ich hatte die großartige Aufgabe Thom als ehrenamtlicher Coach von ProjectTogether auf seiner Lernreise zu begleiten. Er hat im letzten Jahr gezeigt, dass jeder junge Mensch globale Probleme angehen kann – selbst wenn es so ein kurioses Thema wie globale Intimhygiene ist. Dafür hat er das Modelabel Boxrs4All gegründet. Für jedes Stück Unterwäsche, dass Boxrs4All in Europa verkauft, finanziert Thoms Unternehmen eine Unterhose in Tansania, die dann kostenfrei an ein Waisenkind gegeben wird. Je mehr Boxrs4All verkauft, desto mehr Menschen kann Boxrs4All helfen.

Leben Retten zwischen zwei Vorlesungen

Eine weitere Erfolgsgeschichte ist die Münchner Studentin Katharina. Sie beschloss nach dem Tod ihres Großvaters durch Blutkrebs, den Verein AIAS zu gründen, um ihre Kommilitonen über Stammzellenspende aufzuklären. Inzwischen konnten durch ihre Initiative über 22.000 Studierende registriert und 41 Leben gerettet werden.

Das sind nur zwei von vielen inspirierender Geschichten in einer wachsenden Community von jungen Machern, in der man täglich sehen kann, was bereits Hermann Hesse wusste: „Jedem Anfang liegt ein Zauber inne.“ Trotzdem gilt, dass es für neu gegründete Projekte keine Erfolgsgarantie gibt. Ein Neustart beinhaltet immer auch ein Risiko zu scheitern. Aber wenn man die Welt verändern will, gibt es nur einen Weg herauszufinden, ob es klappt: Versuch es!

 

* Der Autor ist ehrenamtlich Mitglied des Kuratoriums von ProjectTogether gUG und Coach von Thom. Bei Rückfragen zu ProjectTogether ist er unter nschoeppl@projecttogether.org zu erreichen

 


Foto (Blog): ulrichw / pixabay (CC0)

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