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12.10.2016

Warum vertagen wir so gerne dringend anstehende Uni-Aufgaben? Womöglich stecken dahinter das Streben nach Perfektion und gleichzeitig Versagensängste. Aber Prokrastination muss auch nicht immer nur schlecht sein...

von Laura Orlik

Prokrastinieren bedeutet wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt: „Also heute kann ich das nun wirklich nicht erledigen. Morgen fange ich damit an. Aber heute geht echt nicht, muss ja noch den Haushalt machen- und außerdem kommt heute Abend doch die Wiederholung von der Wiederholung von dem einen Film-- “.

„Nächstes Mal fange ich früher an“

Diese Ausreden glauben einem weder die Eltern noch die Freunde, am allerwenigsten wohl man selbst. Manchmal erscheint aber einfach alles wichtiger (oder angenehmer) als endlich mit der Prüfungsvorbereitung oder der nächsten Hausarbeit zu beginnen. Was dann folgt, kommt bestimmt vielen bekannt vor: Man sitzt in ein, zwei Nacht- und Nebelaktionen vor dem Laptop und versucht zu retten, was eigentlich in den letzten paar Wochen hätte erledigt werden sollen.  Am Ende, wenn man völlig übermüdet doch noch ein Ergebnis hat, steht die Frage: Wieso tue ich mir das immer wieder an?  Auch der Vorsatz „Nächstes Mal fange ich früher an“ ist in dem Moment zwar ernst gemeint, aber… naja ich denke, wir wissen alle, wie das endet.

Ich selbst – Überraschung –  bin auch eine leidenschaftliche Prokrastiniererin und das stresst mich mittlerweile so sehr, dass ich etwas ändern will. Es ist nicht das angenehmste Gefühl, sich einzugestehen, dass man wohl ein grausiges Zeitmanagement hat und wahrscheinlich einfach nur faul ist.  Aber was soll’s, damit es besser wird, muss man sich auch diesen unangenehmen Gefühlen aussetzten.

Prokrastination: Versagensangst austricksen?

Um das „das nächste Mal fange ich früher an“ vielleicht doch einmal Realität werden zu lassen, frage ich mich zunächst, woher dieses Verhalten eigentlich kommt. Diplom- Psychologe Rainer Sturm vom Studierendenwerk Stuttgart erklärt, dass oft überhaupt nicht die Tätigkeit an sich das Problem ist, sondern unangenehme Gefühle, die mit dieser Tätigkeit gekoppelt sind. Prokrastination ist zwar ein allgemeines Verhaltensmuster, kommt aber häufig bei Menschen mit einer hohen Anstrengungsbereitschaft vor, die gleichzeitig aber Versagensängste haben. Man will sich anstrengen, hat aber Angst zu scheitern.

„Das ist ein ganz unglücklicher Konflikt, der dazu führen kann, dass Dinge vermieden werden, weil die Angst zu scheitern zu groß ist“, erläutert der Psychologe. Wenn man eine Arbeit unter großem Zeitdruck schreibt, kann man sich bei einer schlechten Note eben auch einreden, dass man mit mehr Zeit ein deutlich besseres Ergebnis erzielt hätte. So wird die Versagensangst geschickt ausgetrickst. Wenn man dieses Verhaltensmuster durchbrechen möchte, ist diese Einsicht viel wert, denn sie zeigt, es geht eben nicht um die Tätigkeiten an sich, sondern um die Gefühle, die damit zusammenhängen.

Unverbindliche Fristen, ausbleibende Rückmeldungen

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist die Tatsache, dass wenn man prokrastiniert, man es nicht in allen Lebenslagen tut. Rainer Sturm meint, dass die  studentische Lebenssituation diese ständige Aufschieberei begünstigt. „Dazu zählen relativ unverbindliche Abgabetermine, Arbeitsergebnisse, die nicht greifbar sind, keine unmittelbare Rückmeldung für das, was man tut. Innerhalb eines Jobs ist man in anderen Strukturen: Es gibt verbindliche Termine, man bekommt eine schnellere Rückmeldung. In der Arbeitssituation prokrastiniert man deutlich weniger als in der Studiensituation.“

Na das macht doch Hoffnung! Es ist also auch der Studienkontext, der mich zu der Prokrastiniererin gemacht hat, die ich heute bin!

Gerade bei diesem Phänomen ist Einsicht tatsächlich der Erste Schritt zur Besserung.  Klar, jeder prokrastiniert ja hin und wieder mal an der ein oder anderen Stelle, und ich persönlich finde Menschen, die immer alles perfekt getaktet haben und nie auch nur den Hauch von Zeitdruck verspüren, schon etwas unsympathisch - vielleicht ist es aber auch nur der pure Neid.

Professionelle Hilfe

„Wenn man sich aber psychisch stark belastet fühlt, man nicht mehr zur Ruhe kommt, man nicht mehr richtig abschalten kann, man sogar die Freizeit nicht mehr genießen kann und die Leistungen schlechter werden“, sollte man sich laut Rainer Sturm Hilfe suchen (zum Beispiel beim Studierendenwerk deiner Uni).

Leider gibt es jetzt keine revolutionären lifehacks oder Youtubevideos, die ich euch verlinken könnte, die der Prokrastination ganz einfach den Garaus machen. Aber auch mit den folgenden Tipps von Rainer Sturm habe ich mich in den letzten zwei Wochen regelmäßig an den Schreibtisch und zu meiner Bachelorarbeit gekämpft. Das war anfangs ziemlich ungewohnt, weil ich dieses Arbeiten für die Uni ohne einen unbedingten Zeitdruck so nicht kenne. Das ist auch relativ anstrengend, weil man – ohne jetzt tiefenpsychologisch werden zu wollen – negative Gefühle aushalten muss, bis man lernt, diese von der eigentlichen Tätigkeit zu entkoppeln. Bis man das mal im Kopf geordnet hat, dauert es natürlich seine Zeit. Bis dahin kann man versuchen folgende Dinge in seinem Alltag zu ändern, um sich schon mal in die richtige Richtung vorzuarbeiten:

  • Raum und Zeit klar strukturieren. Wenn dich dein Schreibtisch schon einmal nicht vom Arbeiten ablenkt, ist schon viel geschafft.
  • Außerdem sollte man very important tasks ganz oben auf die Tages- To- Do- Liste setzen, weil der „Willensmuskel eben auch mal erschöpft ist“, wie es Sturm ausdrückt. Das sind keine revolutionären Tipps, und Dinge, die man sich auch selbst denken kann, aber es gilt sie eben anzuwenden.
  • Am meisten hilft mir der Gedanke, dass hinter dem Zurückweichen vor bestimmten Aufgaben, eigentlich etwas anderes steckt als Faulheit (zumindest manchmal).

Und irgendwie gehört diese Eigenart auch zu mir. Ich wäre nicht ich, wenn ich immer alles nach Plan machen würde. Wie schon gesagt, wie ein Roboter will ich auch nicht arbeiten, nur ein bisschen Stress aus der Sache nehmen. Das Prokrastinatier gehört also zu mir. Und mit dem kann man ruhig auch mal etwas netter sprechen, denn Prokrastination hat auch so ihre guten Seiten, wie in den unten eingebundenen Videos zu sehen ist.

Wem das ProkrastinaTIER jedoch auf den Keks geht, der findet hier hilfreiche Tipps gegen Motivationsprobleme. Die kostenfreie Troubleshooter Beratung von Dein Masterplan hilft  bei allen individuellen Fragen zum ewigen Aufschieben oder den womöglich dahinter verborgenen Versagensängsten.

 

  


Foto (Blog): BubbleJuice / pixabay (CC0)

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