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23.01.2017

Sein Buch findet man in jeder gutsortierten Universitätsbibliothek: Otto Kruses Werk „Keine Angst vor dem leeren Blatt“ zählt zu den Klassikern der wie-kommme-ich-bloß-durchs-studium Literatur. Unsere Bloggerin Sophie sprach mit Otto Kruse über seine Zeit als Student, die große Freiheit und Ängste im Studium.

von Sophie Freitag

Foto KruseOtto Kruse, Jahrgang 48, studierte in Marburg Psychologie. Er arbeitete an verschiedenen Hochschulen und initiierte die Schreibforschung und damit verbundene Netzwerke im internationalen Bereich. Aktuell forscht er im Bereich „Kritisches Denken“. (Foto: privat)Hausarbeiten gehören zum Studium, wie die Kalorien in die Torte. Oft versucht man sie zu umgehen, klappen tut es aber nicht wirklich. So wie man eine Torte nun mit Low-Fat Produkten leichter macht, kann man sich das Schreiben von Haus- oder Semesterarbeiten leichter machen. Wie das geht erklärt einem Otto Kruse. Nachlesen kann man seine Tipps auch in seinem Buch "Keine Angst vor dem leeren Blatt".

Kruse holt einen da ab, wo man gerade sitzt, steht, liegt. Am Schreibtisch, in der Bibliothek, im Bett. Irgendwo  vorm Computer und dem Word Dokument, welches schön weiß leuchtet und sich einfach nicht füllt. Er erklärt in seinem Buch den Prozess des Schreibens, räumt auf mit Vorurteilen über wissenschaftliche Schreibstile. Er nimmt an die Hand und führt durch den Prozess des Schreibens, von der ersten Gliederung zu Rohtexten bis zur abgabefähigen Hausarbeit.

Kruse hat in Marburg Psychologie studiert - lange vor der Bologna Reform. Sein Diplomstudium mit dem heutigen Bachelorstudium zu vergleichen ist so ein bisschen wie das mit den Äpfeln und den Birnen. Er studierte zweieinhalb Jahre, legte währenddessen drei Scheine ab, dann acht happige Prüfungen - Vordiplom. Dann noch mal zweieinhalb Jahre freies Studieren, wieder Prüfungen und die Diplomarbeit.

Aus heutiger Sicht klingt es nach viel Freiheit, Arbeit die man sich eben selbst einteilen kann, es brachte aber auch „eine Art von Selbstständigkeit von der Einige überfordert waren und viele aufgeblüht sind“.  Kruse zählt sich selbst zu den Aufblühern, bewundert rückblickend „das Vertrauen der Universitäten, dass diese laschen Schüler, die ankamen, innerhalb kürzester Zeit selbstständig wurden und zwar gerade dadurch, dass man ihnen nicht gesagt hat was sie tun müssen“.

„Das muss wissenschaftlich und akademisch sein.“

Nach dem Studium folgten zehn Jahre an der Freien Universität Berlin. Als Studienberater half er all denen, die von der Freiheit überfordert waren. Das war in den 90ern. Große Seminarklassen, überfüllte Hörsäle. Studierende kamen mit verschiedenen Problemen zu ihm. Wissenschaftliches Schreiben war eins, noch viel stärker war jedoch die Angst im Seminar zu reden. Dieser Gedanke irgendwo im Hinterkopf, das muss wissenschaftlich und akademisch sein. „ Die Leute hatten nicht Angst vorm Schreiben, wie man Angst vorm Reden hat. Aber die Leute haben gemerkt, okay wenn ich nicht schreiben kann, kann ich meine Scheine nicht machen und dann komme ich nicht heil durchs Studium und dann kommen die existenziellen Ängste“.

Schreiben, Denken, Fühlen

Mit seinen Kollegen und Kolleginnen fing er an Schreibkurse für die Studierenden zu konstruieren „ Was tue ich wenn ich schreibe, reflektiere ich Geschriebenes? Wie kann ich Schreiben und Denken koordinieren?“. Der erste Kurs trug den Titel Schreiben, Denken, Fühlen und mit der Arbeit kam auch die Idee ein Buch zu schreiben. 1993 ging das erste Exemplar in den Handel. 2017 halten wir die zwölfte völlig überarbeitete Auflage in den Händen. 2017 ist eh alles so ein bisschen anders. Schreiben und Denken sind geblieben, Fühlen ist ausgegliedert. Das Gefühl von damals vermisst Kruse heute in der Hochschulwelt „ Wir machen  das Gegenteil, wir schreiben alles vor, immer kleiner und detaillierter und nehmen die Selbstständigkeit weg“. Immerhin fließen mehr und mehr Bundesmittel in didaktische Projekte, Schreibzentren finden ihren Platz an Hochschulen.

So klappt das Schreiben

Kruse empfiehlt den Studierenden zusammen zu arbeiten und gut zu zu planen: „Was will ich machen? Heute? Worum geht es in meiner Arbeit? Ein gutes Exposé schreiben, mit Anderen austauschen, damit ich irgendwie mein Denken synchronisiere mit Anderen, das ist sehr wichtig, dass ich schon im Vorhinein nachvollziehbar mache was ich tun will und das mit Anderen bespreche. Damit sie schon sagen können, okay das kommt mir sinnvoll vor, das ist ein guter Plan damit übernimmst du dich nicht. Das ist relevant, das finde ich spannend, die kollaborative Seite des Schreibens auszubauen  und immer in Kontakt mit anderen bleiben. Wenn man sich zu sehr in seinen Gedanken verliert, dann kommt man manchmal wirklich an Stellen, wo es nicht weiter geht“.

Studieren heißt: eigene Interessen erkennen und ausbauen

Die Sache mit dem Aufschieben ist auch so was. Der erste Ausdruck der Angst vor dem Schreiben. Man weiß einfach nicht so richtig, wie es los geht. Einfach mal anfangen. Free Writing  heißt das heute. In die Tasten hauen, was einem so in den Sinn kommt. So kommt man ins Schreiben und dann  löscht man den ersten Teil und legt richtig los mit dem Thema.

Apropos Thema, da ist die Torte wieder. Studieren heißt eigene Interessen erkennen und ausbauen. Schwarzwälder Kirsch, Sachertorte oder Frankfurter Kranz. „Die Leute, die Studium und Interesse nicht zusammenkriegen tun sich schwer. Wer im falschen Fach gelandet ist, bekommt oft Probleme mit dem Denken. Es verweigert sich tatsächlich - und gerade das sollte das Studium eigentlich schaffen, dass man sein Feld findet, die eigenen Interessen erkennt. Die ziehen einen dann wie ein Motor durch das Leben“.


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Foto (Blog): Couleur / pixabay (CC0)

 

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