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28.08.2017

Wer nicht den ganzen Tag in der Uni sein muss, kann einer Menge Hobbys nachgehen: Ehrenamt, Feiern oder einfach nur hart chillen. Leo hat alles gleichzeitig gemacht – und kam irgendwann in Schwierigkeiten. Sieben Dinge, die er daraus gelernt hat.

von Leonard Kehnscherper

Freitag, der 27. August 2015, 18.29 Uhr. Mein Schweiß tropft auf den Briefumschlag, den ich mit zitternden Händen zuklebe. Als ich meine Bachelorarbeit endlich abgeschickt hatte – eine Minute vor Schließung der Postfiliale – bin ich zuerst erleichtert und dann erschrocken. Denn eigentlich hatte ich mir für die Abschlussarbeit ein ganzes Semester freigehalten. Eigentlich. „Wie habe ich es so weit kommen lassen?“, fragte ich mich. Das wurde mir während der folgenden Wochen klar. Hier sind die sieben größten Störfaktoren meines Studiums:

  1. Die Mensa

Ganz klar: Mittags muss man was essen. Sonst fehlt die Energie für den Rest des Tages. Die Mensa war für mich aber immer ein notwendiges Übel – vor allem wegen der ganzen Zeit, die ich dort verloren habe. Denn viele meiner Kommilitonen nutzten die Mensa zur Prokrastination und verwickelten mich in ziellose Gespräche über die letzten Klausuren, die Eigenarten des Professors oder einen neuen Kinofilm. Hier habe ich versucht, die richtige Balance zu finden. Denn einerseits ist es ziemlich unsozial, nicht mit den Kommilitonen essen zu gehen. Andererseits sollte man in der Mensa wirklich nicht zu lange rumhängen. Denn nach einem ausgeuferten Tischgespräch ist man eigentlich genauso fertig wie nach drei Vorlesungen hintereinander.

  1. Clubnächte

Mit Anfang 20 machen viele eine interessante Erfahrung: Sie können nicht mehr so viel ab. Wer in den ersten Semestern noch die Nacht durchzechen und vormittags putzmunter im Seminar mitdiskutieren konnte, dem steckt zum Ende des Studiums am Montag noch Samstagnacht in den Knochen. Was eine ordentliche Partynacht an Kraft kostet, kalkuliere ich jetzt immer mit ein. Das heißt: Stundenlanges Abzappeln ist erlaubt, aber höchstens alle zwei Wochen (siehe auch: Sechs Regeln fürs Feiern).   

  1. Abends noch schnell auf ein Bier…

„Noch Lust auf ein kleines Feierabend-Bier?“ Auf so eine Frage sagt man selten „nein“ – vor allem, wenn man die Fragesteller wirklich mag. Ist die Stimmung dann auch noch richtig gut, werden aus dem einen Bier schnell vier oder fünf. Auch, wenn ich mir eingeredet habe, dass mir das nichts ausmacht: 100 Prozent konnte ich am nächsten Tag nicht mehr bringen. Trotzdem hat es drei Jahre gedauert, bis ich festgestellt habe, dass mich die Abende in verrauchten Kneipen echt fertig gemacht haben. Immer, wenn ich wegen einer Hausarbeit oder einer Klausur richtig gestresst war, lag es auch daran, dass ich mich am Tag davor mit jemandem „auf ein Bier“ getroffen habe. Aus dieser Misere hat mir lustigerweise ein Stammtisch geholfen. Dabei habe ich mich mit ein paar Freunden immer mittwochs in derselben Bar getroffen. Dahin kamen dann auch Leute, mit denen ich mich an anderen Tagen sonst separat verabredet hätte – sehr praktisch. Und gleichzeitig ist so auch ein neuer großer Freundeskreis entstanden. 

  1. Sport als Ausgleich, nicht als Ablenkung

Sport kann ein super Ausgleich zum Studium sein (das bestätigen Studis hier und hier). Aber die Dosis macht das Gift. Morgens Fitnessstudio, mittags Badminton, abends Volleyball und nebenbei noch Marathon-Training – da verschwimmen schnell die Grenzen zwischen körperlicher Ertüchtigung und Prokrastination. Wer sich die ganze Woche mit sportlichen Aktivitäten vollknallt, könnte sich also mal fragen, ob er oder sie es wirklich nur tut, um fit zu sein – oder, weil er oder sie keinen Bock auf eine Hausarbeit hat.

  1. Der Verein, das „Herzensprojekt“

Mindestens genauso vorbildlich wie es ist Sport zu machen, ist auch ein Ehrenamt. Egal ob Flüchtlingshilfe, Greenpeace oder Pate für benachteiligte Jugendliche – sich während des Studiums zu engagieren ist eine tolle und bereichernde Erfahrung. Während meines Studiums war ich selbst drei Jahre lang im Vorstand eines Jugendverbands aktiv. Zusammen haben wir ziemlich viele Workshops und Aktionen organisiert, hatten aber keinen einzigen hauptamtlichen Mitarbeiter. Deshalb sind mir einige „Herzensprojekte“ auch mal über den Kopf gewachsen. Meine wichtigste Regel fürs Ehrenamt ist deshalb: Lieber ein einziges Projekt richtig gut machen, anstatt viele kleine Projekte an die Wand zu fahren.

  1. YouTube, Netflix und Facebook

„Netflix and chill“ ist irgendwann zum WhatsApp-Dauerstatus vieler meiner Freunde geworden. Das Online-Videothek-Abo habe ich mir nie gegönnt. Dafür habe ich mich hemmungslos von einem YouTube-Clip zum nächsten geklickt. Ebenso exzessiv habe ich meine WhatsApp-Nachrichten und meine Mails gecheckt oder habe mir auf Facebook und Instagram Profile angesehen – meistens während der Vorlesung oder im Seminar. Doch egal, ob zu Hause oder in der Uni, Social Media und Co. eignen sich super zum Prokrastinieren. Deshalb habe ich mir irgendwann feste Slots gegeben: YouTube-Sessions und Binge Watching gehen nur am Wochenende, weniger wichtige Messenger-Nachrichten kann ich nur morgens und abends beantworten. Bei den Mails war das schwieriger: Denn die musste ich alle paar Stunden checken, um Infos zu Seminaren nicht zu verpassen. Während der Prüfungsphase habe ich aber auch mein Mailpostfach nur noch zweimal am Tag geöffnet.

  1. Der Freund/die Freundin

Eigentlich kann der Partner die größte Unterstützung während des Studiums sein. Er oder sie kann abfragen, motivieren und trösten. Doch, wenn einer von beiden deutlich mehr zu tun hat – oder eine andere Arbeitseinstellung – gibt es schnell Streit. Meiner Freundin und mir hat hier ein Wochenplan geholfen. Dort haben wir festgehalten, an welchen Abenden wir uns sehen, an welchen Abenden wir lernen und wann wir etwas mit Freunden machen.

 


Foto (Blog): Free-Photos / Pixabay (CC0)

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